Myranische Monstren – Rezension.

In unserer zweiten schriftlichen Rezension widmen sich die Ilaris-Chroniken diesmal einem „Konkurrenzprodukt“ für Aventurien – „Myranische Monstren“, der Kreaturenband für den Westkontinent,  steht diesmal im Fokus von Ramona und Andreas.

 

Myranische Monstren ist ein vollfarbiger Kreaturenband (Regie und Bandredaktion: Uli Lindner), erschienen schon im Oktober diesen Jahres, der für 40 € insgesamt 220 gut gefüllte Seiten bietet. Gehen wir die Kapitel der Reihe nach durch:

 

Regelübersicht

Empfangen wird man im Band von einer ganzen Menge Text – auf 9 Seiten finden sich alle relevanten Regeln zum Spiel mit Tieren. Nach einer Erklärung der Werteangaben (Positiv: Tiere haben nun auch relevante Eigenschaftswerte) findet sich hier auch eine komplette Aufzählung besonderer Fähigkeiten, im Gegensatz zur ZBA findet hier auch eine Unterteilung in „Attribute“ (welche allerdings keine Eigenschaften sind, sondern quasi „passive“ Fähigkeiten) und „Fertigkeiten“ (großteils Kampfmanöver) statt – eine Untertehilung, die sich auch in den Wertekästen später findet, aber in meinen Augen nur für eine minimal größere Übersichtlichkeit sorgt.

Viele Regeln wurden vereinheitlicht, abstrahiert und teilweise leicht überarbeitet, beispielsweise haben auch Pferde wie alle anderen nun einen „normalen“ Ausdauer-Wert in Punkten (statt in „Spielrunden Galopp“), es gibt keine Aufzählung dutzender verschiedener Tiergifte, sondern diese werden in wenige Kategorien unterteilt, und es wurden auch neue Manöver ergänzt – so etwa der Gezielte Angriff mit Auto-Finte.

Ebenfalls positiv fällt die entschlackte Fassung der Ausbildungsregeln für Tiere auf – plausibel, einheitlich und auf nicht mehr als zwei Seiten. Chapeau! Zum Ende gibt es noch kurze Ergänzungen zum Reiterkampf und eine Zusammenfassung der Jagd-Regeln mit der Option auf „Lebend fangen“ und Beuteverwertung. Hier ist also wirklich alles drin, was man zum Spiel mit Tieren braucht.

 

Regionale Übersichten und Myranische Nutztiere

Bevor das große Kreaturenkapitel beginnt, gibt es einen Überblick über myranische Landschaften – abstrahiert auf insgesamt 7 Stück, von „Nördliche Lande“ über „Dschungel“ bis zum „Meer“. Hier werden die üblichen dort vorkommenden Tiere inklusive repräsentativer Wertekästen (bzw. Seitenangaben zu besonderen Tieren, die im folgenden Bestiariumskapitel zu finden sind) aufgelistet – vom Bären bis zur Vampirfledermaus. Wieder fällt eine positive Neuerung ins Auge, nämlich Angaben zu „Sinnesschärfe“ und „Verstecken“, damit man zur Abwechslung auch mal korrekte vergleichende Proben gegen Tiere würfeln kann. Finde ich sehr gut.

Auch die Nutztierübersicht ist in Myranor deutlich vereinheitlicht worden – beispielsweise gibt es nur einen Wertekasten für „das Pferd“, allerdings mit Varianten für Kalt- und Vollblüter. Manchem Aventurien-Gewohnten mag das vielleicht zuviel der Abstraktion sein, aber in meinen Augen tut man sich mit der Regel-Entschlackung einen Gefallen.

Einziger Wermutstropfen dieses Teils ist die fehlende Angabe ausgerechnet bei Nutztieren, wie viele Rationen Nahrung aus ihnen herauszuholen sind.

 

Bestiarium

Das Kernstück des Bandes ist diese gut 160 Seiten lange Vorstellung von Kreaturen, die jeweils auf ein bis zwei Seiten beschrieben werden. Bei allen findet sich neben einer Illustration des Wesens selbst auch eine kleine Karte mit eingezeichneten Verbreitungsgebieten, Informationen über die Lebensweise und eine kurze Darstellung der Kreatur „Im Spiegel der Kulturen“. Natürlich fehlt auch ein ausführlicher Wertekasten nicht. In dieser Fülle ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei, vom flauschigen Albschmeichler bis zum chitinigen Zhirrach.

Klassische Monster wie die Hydra gibt es ebenso wie völlig abgefahrene Wesen knapp jenseits der Satiregrenze wie den in Myranor noch urtümlichen Waldmops (Originalaufnahme ab 1:30). Insgesamt findet man hier eine schöne Auswahl in allen Farben, Formen und Verbreitungsgebieten. Viele der Kreaturen liefern sofort Abenteuerideen oder betteln darum, auch in andere Settings überführt zu werden. Die Sammlung ist alphabetisch sortiert, was nach der Übersicht im letzten Kapitel völlig sinnvoll ist und die Suche erleichtert.

 

Landschaftszonen Myranors

Der letzte Teil des Buches führt noch einmal alle 18 myranischen Landschaften (von Eislandschaften bis Archipel von Talaminas) mit entsprechenden Kartenausschnitten auf. Hier gibt es alle nötigen Angaben zu Geographie, nötiger Geländekunde, Landschaftsformen, Klima, Wildvorkommen, prägender Vegetation, Besonderheiten und hier lebenden Kreaturen. Diese Übersicht ist recht ähnlich derjenigen am Ende der ZBA, aber es gibt hier auch die Möglichkeit, Zufallsbegegnungen zu würfeln, denn die Kreaturen werden (jeweils in ihrer Kategorie „häufig“, „gelegentlich“ und so weiter) mit einer W20-Verbreitung angegeben.

 

 

Fazit

Insgesamt muss man nicht viel sagen außer: Der Band ist rundum gelungen. Die wenigen angesprochenen Kritikpunkte sind Jammern auf wirklich hohem Niveau. Das vollfarbige Layout wirkt hübsch, aber übersichtlich, und es gibt jede Menge durchwegs guter bis hervorragender Illustrationen auf stabilem Papier. Auch Lesebändchen (nur leider ein wenig kurz) und Index wurden nicht vergessen, so dass der Preis von 40 € völlig angemessen erscheint.

Regeltechnisch sind die Myranischen Monstren sehr sauber, die Texte sind gut lesbar und auch Schreib- und Satzfehler gibt es nicht viele. Myranische Monstren ist insgesamt wahrscheinlich der schönste und auch gehaltvollste Kreaturenband, den wir bisher kennengelernt haben.

Wir können eine klare Kaufempfehlung nicht nur für Myranor-Fans aussprechen, Aventurien-Spielern könnte der Band ebenfalls Lust auf eine Großwildjagd oder die Suche nach exotischen Ingredienzen für Arenen und Chimärologen machen und auch gänzlich Systemfremde werden hier eine Menge Inspirationen finden.

 

Links:

Myranische Monstren: Durchgeblättert von Zwart.

– Der Waldmops: Originalaufnahme ab 1:30.

 

Diese Rezension wurde freundlicherweise durch den Uhrwerk-Verlag unterstützt!

 

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2 Kommentare bis “Myranische Monstren – Rezension.”

  1. […] aus Vinsalt, als auch ein paar Chronisten aus der Qabalya der Ilaristen, die den Bezwingern per Sphärengeflüster aufmunternde Worte zukommen […]

  2. DR sagt:

    Wieder eine gute Rezension. Ich finde, ihr könnt ab und an gern mal so einen Text raushauen.

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