Interview mit MeisterGeister-Entwickler Markus Traut

Wer ist der Macher von MeisterGeister?
Ich bin 28 Jahre alt und wohne in Mönchengladbach in NRW zusammen mit meiner Frau. Wenn ich mal nicht an MeisterGeister arbeite oder eine DSA Sitzung vorbereite, spiele ich Klavier oder gehe auf GPS gestützte Schnitzeljagd (Geocaching). DSA spiele ich grob geschätzt seit 15 Jahren mit wechselnder Häufigkeit und unterschiedlichen Mitspielern. Mein Erstkontakt liegt also in der guten alten Flügelhelm-Zeit von DSA3. Neben ein paar kurzen Abstechern ins Shadowrun-Universum, bin ich meinem Lieblingsrollenspiel aber immer treu geblieben. Inzwischen bin ich ausschließlich Meister und spiele nun seit ca. 1,5 Jahren mit einer festen Gruppe an der „Sieben Gezeichneten“-Kampagne. Bislang habe ich mich überwiegend hinter der aktuellen aventurischen Zeitlinie bewegt und so großartige Kampagnen wie „Das Jahr des Greifen“ oder die „Phileasson-Saga“ geleitet. Die aktuellen Ereignisse und Kampagnen verfolge ich aber trotzdem und bin guter Dinge, dass ich irgendwann im Rentenalter in der aventurischen Gegenwart angekommen sein werde…


Wie bist du auf die Idee für dein Projekt gekommen?
Die Grundidee, eine umfassende Tool-Sammlung für den Spielleiter zu schaffen, ist eigentlich schon einige Jahre alt. Da ich ohnehin beim Meistern schon lange einen Laptop für die musikalische Untermalung am Tisch hatte, war es für mich naheliegend die vielen kleinen Dinge, die dem Meister Zeit und Energie rauben, wie z.B. das spontane aus dem Handgelenk schütteln eines NSC Namens, durch Software-Unterstützung zu vereinfachen. Nachdem die vierte Edition des DSA Regelwerks viele gute alte Tools unbenutzbar gemacht hatte, dachte ich mir immer wieder: „Es müsste doch nun mal jemand eine Tool-Sammlung machen, die die neuen Regeln unterstützt.“ Außerdem nötigte mich das doch recht umfangreiche Kampfregelwerk von DSA4 immer wieder Hilfsmittel zu nutzen, die man wunderbar in ein Tool integrieren könnte. Während einige Programme verschiedener Entwickler im Netz auftauchten und wieder verschwanden, versuchte ich mich auch an diversen Anläufen, die aus verschiedensten Gründen aber alle im Sande verliefen. Vor etwa einem Jahr sollte es aber dann endlich gelingen: Die Geburtsstunde für das Projekt war dann das Problem, dass ich einfach keine Lust mehr hatte für fünf Spieler verdeckte Menschenkenntnis-Proben zu würfeln und ich das auch nicht heimlich machen konnte (blöd in einem Detektiv-Abenteuer…). Tja, und da es ein solches Tool nirgends gab entstand so die erste Version von MeisterGeister mit rudimentärer Helden-Verwaltung und Proben-Tool! Die Grundmotivation war also der Einsatz in meiner eigenen Spielgruppe. Innerhalb von kurzer Zeit habe ich dann die Software weiterentwickelt und nachdem meine Frau dem Kind den wunderbaren Namen „MeisterGeister“ gegeben hatte, wagte ich den Schritt in die Öffentlichkeit, obwohl das Tool noch nicht viel konnte. Da ich aber bereits selbst gute Erfahrungen in meiner Gruppe mit dem Tool gesammelt hatte, wollte ich die Früchte meiner Bemühungen auch anderen Spielleitern nicht länger vorenthalten. Von Anfang an habe ich dann die Meinung der Community gesucht und auch viel Feedback bekommen, was mich sehr motivierte weiterzumachen. Und so, von den vielen positiven Kommentaren getragen, wuchs das Projekt extrem schnell. Die Grundvision zieht sich dabei seit der ersten Stunde durch das Projekt: Eine umfassende Tool-Sammlung für den Spielleiter zu schaffen.


Wieviele Leute arbeiten für MeisterGeister?
Nun, den wesentlichen Anteil trage immer noch ich selbst, jedoch unterstützt seit einiger Zeit ein weiterer Entwickler das Projekt. Daneben engagieren sich derzeit noch vier weitere Mitarbeiter, die sich vor allem um die Aufbereitung des zugrundeliegenden Datenmaterials kümmern (Listen abtippen und für die Datenbank vereinheitlichen, etc.) und die Software gründlich testen und Feedback geben. Es arbeiten derzeit also mehr oder weniger fest 6 Personen für MeisterGeister. Als erweiterten Mitarbeiter-Kreis könnte man aber noch die gesamte Community sehen, denn es finden ständig Anregungen der Benutzer ihren Weg in die Software, sodass unterm Strich viele Leute bei der Planungsphase mitwirken.


Wie organisiert ihr eure Zusammenarbeit?
Mit meinem Mitentwickler tauschen wir unsere Arbeit am Quellcode mittels eines SVN-Servers aus (das ist ein Versionsverwaltungssystem, um gemeinsam an einem Softwareprojekt zu arbeiten). Absprachen und Planungen innerhalb des Projekts organisieren wir entweder per E-Mail oder per Instant Messenger. Außerdem nutzen wir seit kurzem eine Mailingliste. Ich arbeite allerding daran, diese Projektorganisation noch weiter zu verbessern, um die Zusammenarbeit noch einfacher zu gestalten. Da sich MeisterGeister von einem Ein-Mann-Projekt zu einem Team-Projekt wandelt, ist diese Projektorganisation noch ein laufender Prozess. Man kann aber sagen, dass die Zusammenarbeit bereits sehr gut funktioniert.


Wieviel Zeit / Aufwand / Arbeit steckt in dem Projekt?
Das ist schwer zu sagen, da jeder so am Projekt arbeitet, wie er gerade Zeit und Lust hat. Aber man kann schon feststellen, dass es sehr Zeit intensiv ist und bereits sehr viel Arbeit und Herzblut in das Projekt geflossen ist. Neben dem eigentlichen Entwicklungsaufwand darf man auch nicht die Öffentlichkeitsarbeit vergessen und unterschätzen, die einen sehr wichtigen Stellenwert im Projekt einnimmt. MeisterGeister ist z.B. in jedem der bekannten DSA-Foren vertreten, wir haben Kommentarmöglichkeiten und ein Gästebuch auf der Webseite und mich erreichen häufig E-Mails. All diese Kommunikationswege zur Community sind mir sehr wichtig und so investiere ich auch einiges an Zeit, um alle Anfragen und Anmerkungen zu bearbeiten und auch in das Projekt einfließen zu lassen. Hinzu kommt noch die Zusammenarbeit mit den PlugIn-Entwicklern, die auch gepflegt werden muss. Ich schätze mal, dass ich alleine insgesamt auf durchschnittlich 8-10 Stunden in der Woche komme, in denen ich irgendwas für MeisterGeister mache. Es gehört also schon eine große Portion Leidenschaft dazu…


Bist du gelernter Programmierer oder woher kannst du das?
Ja, das bin ich. Ich habe Technische Informatik auf Diplom studiert, mit Schwerpunkt Softwareentwicklung. Außerdem arbeite ich in diesem Bereich in einem mittelständischen Unternehmen. Dadurch interessiere ich mich natürlich zwangsläufig auch privat für diese Dinge.


Suchst du noch Helfer?
Naja, im Moment suche ich nicht aktiv, aber wenn jemand unbedingt mitwirken möchte, findet sich da sicher auch eine Möglichkeit. Alle jetzigen Helfer sind auch auf mich zugekommen, ohne dass ich je aktiv gesucht hätte. Was wir aber tatsächlich noch brauchen könnten wäre ein Grafiker oder eine Grafikerin, um die Schaltflächen im Programm mit einheitlichen und schönen Bildchen zu versorgen – da sind wir noch etwas schwach aufgestellt. Was wir aber immer suchen, sind Leute, die die Software gründlich testen (vor allem die Beta-Versionen) und uns ihr Feedback geben.
Für die Zukunft ist noch geplant, die Mitarbeit am Projekt weiter zu vereinfachen, indem ich die PlugIn-Mechanismen erweitere, sodass interessierte Entwickler eigene Erweiterungen in MeisterGeister integrieren können – das wird aber noch ein wenig dauern, bis es soweit ist.


Wie wichtig ist dir die Beteiligung und Meinung der Community?
Sehr wichtig! Von Anfang an war es mir ein besonderes Anliegen die Benutzer mit ins Boot zu nehmen und mit der Community zu diskutieren. Viele Verbesserungen in MeisterGeister sind auch nur aufgrund konkreter Anregungen entstanden. Als Entwickler ist man manchmal auch etwas „betriebsblind“, sodass es immer gut ist, auch auf Ideen von Anwendern zu hören. Ich empfinde dieses intensive Einbeziehen der Community als sehr konstruktiv und es motiviert vor allem auch ungemein. Ohne die Community hätte sich das Projekt niemals so schnell entwickelt.
Außerdem war mir von Anfang an wichtig, in MeisterGeister Verknüpfungen zu anderen Projekten einzubauen. So kann man beispielsweise Helden aus der Helden-Software importieren, an vielen Stellen kommt man mit einem Klick in die Wiki-Aventurica und so beliebte Tools wie der „ArtefaktGenerator“ oder „Einsteins DSA Tool“ sind als PlugIn mit MeisterGeister nutzbar. Großartige Ergebnisse hat auch die enge Zusammenarbeit mit dem DereGlobus-Projekt ergeben, wovon beide Projekte profitiert haben – und der Benutzer sowieso.
MeisterGeister versucht sich also gezielt mit der Community für die Community zu entwickeln und dabei auch mit vielen anderen Fan-Projekten zusammenzuarbeiten. Schließlich ist dieser Zusammenhalt innerhalb der engagierten Community ein besonderes Aushängeschild von DSA.


Was ist in (naher und ferner) Zukunft noch für das Programm geplant?
Eine ganze Menge! Die ToDo-Liste, die auch auf der MeisterGeister-Seite einzusehen ist, ist prall gefüllt mit konkreten Plänen und Visionen. Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung des Kampf-Tools und der Kämpfer-Verwaltung. An diesem Bereich wird quasi durchgehend gearbeitet und von Version zu Version wird dem Spielleiter mehr Unterstützung beim Kampf geboten werden. Außerdem wird es in absehbarer Zeit eine Erweiterung für die Dunklen Zeiten geben. Des Weiteren steht auf der näheren Agenda ein Ausbau des SpielerInfo-Tools, mit dem man der Spielgruppe Bilder und Texte auf einem zweiten Bildschirm zeigen kann. Als nächstes Tool in der MeisterGeister-Sammlung wird es dann voraussichtlich ein Basar-Tool geben – hier sind bereits die Arbeiten an dem Datenbestand quasi so gut wie abgeschlossen.
Für die fernere Zukunft sollen noch alle möglichen Tools hinzukommen: Tränke brauen, Waffenschmieden, ein Zauber-Tool, ein Tool zum Beschwören und und und… Hier sind quasi kaum Grenzen gesetzt. Wir schauen also einer arbeitsreichen Zukunft entgegen und die Benutzer können sich noch auf viele Erweiterungen freuen.


Wir danken Markus, dass er sich die Zeit für unsere Fragen genommen hat!

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